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Zehn Planungsfehler

i-Punkt Ausgabe 03/2008

Sicherheit

 

Arbeitsschutz im Schwimmbad
Wasserschirm, Sprudeldüse, Riesenrutsche: Die Zeiten, als man nur zum Schwimmen ins Hallenbad kam, sind vorbei. Schwimmbäder wollen heute als Erlebniswelten Kunden locken mit Entspannung, Spaß und Nervenkitzel. Doch Bäderbetriebe sind auch Arbeitsstätten. Planungsfehler im Bäderbau beeinflussen organisatorische Abläufe negativ und können bei Sicherheitsdefiziten zu Arbeitsunfällen führen. Nachbesserungen sind – wenn überhaupt – oft nur unter hohem Kostenaufwand möglich.

Architekten und Badbetreiber befassen sich in der Planungsphase intensiv mit den für Badegäste zugänglichen Bereichen und Einrichtungen. Schließlich will man dem heutigen Trend zum Erlebnisbad gerecht werden und den Badegast mit möglichst vielen Attraktionen und Annehmlichkeiten verwöhnen. Technik- und Funktionsräume spielen daher oft eine untergeordnete Rolle. Aus diesem Grund sind die meisten der nachfolgend aufgeführten Defizite in Technikbereichen zu finden.

Flächenbedarf für die Bädertechnik

Häufig wird der Flächenbedarf für die Technik zu gering bemessen. Besonders in Hallenbädern sind umfangreiche technische Anlagen (z.B. Raumlufttechnische Anlagen, Heizungs- und Wasseraufbereitungsanlagen, zusätzliche Pumpen und Kompressoren für Attraktionen) unterzubringen. Aufgrund von Platzmangel sind die technischen Einrichtungen oft nur erschwert zugänglich, erforderliche Arbeitsräume für Wartungs-, Kontroll- und Instandsetzungsarbeiten fehlen. Ein sicheres Arbeiten ist an diesen Anlagen folglich nicht gewährleistet.
Die Ursache liegt meistens in einer mangelnden Absprache zwischen den Architekten und den jeweiligen Fachplanern der einzelnen Gewerke über den erforderlichen Flächenbedarf. Ein Blick in die Richtlinien für den Bäderbau des Koordinierungskreises Bäder könnte zur Problemlösung beitragen.

Hier werden folgende Orientierungswerte für die Gesamtfläche Technik (ohne Wasserspeicher, Lagerräume und Trafostation) genannt:

  • für Hallenbäder ca. 1 qm (je 1 qm Wasserfläche)
  • für Hallenbäder mit O zonanlage ca. 1,25 qm
  • für Freibäder ca. 0,15 bis 0,2 qm

Lager- und Geräteräume

Lagerräume sind in den oben genannten Orientierungswerten nicht enthalten und daher gesondert auszuweisen. In Technikräumen von Bädern werden Chemikalien zur Wasseraufbereitung (z.B. Flockungsmittel, pH-Senker oder -Heber, Filtermaterialien), Ersatzteile und Gerätschaften häufig aus Platzmangel unzulässigerweise in Verkehrsbereichen gelagert. Um Arbeitsunfälle zu verhindern, sind ausreichend große Lagerflächen und Lagerräume vorzusehen.
In Beckennähe fehlen häufig Räumlichkeiten zur Lagerung von Unterwassersaugern, Reinigungsmitteln, Reinigungs- und sonstigen Schwimmbadgeräten. Geräteräume müssen ausreichend für die zu lagernden Geräte bemessen und leicht erreichbar sein.

Mindestraumhöhen von Räumen und Verkehrswegen

Die Mindestraumhöhen im Lichten sind in Technikräumen häufig zu gering. Infolge von Lüftungskanälen und anderer Einbauten sind gerade in Verkehrswegen die lichten Höhen nicht ausreichend. Um Stoß- bzw. Kopfverletzungen wirksam zu verhindern, soll eine lichte Höhe von 2,00 m nicht unterschritten werden.
Im Filterhaus sind die Raumhöhen abhängig von den Filterbehältern. Konkrete Angaben zu Raumhöhen sind in den Richtlinien für den Bäderbau enthalten.

Verkehrswege

Bei Reinigungsarbeiten empfiehlt es sich, wasserdichte Schutzkleidung zu tragen
Bei Reinigungsarbeiten empfiehlt es sich, wasserdichte Schutzkleidung zu tragen

Neben den bereits erwähnten lichten Mindesthöhen sind Verkehrswege ausreichend zu beleuchten. Verkehrswege sind eben und ohne Stolperstellen auszuführen. Vertiefungen (z.B. Bodenabläufe, Pumpensümpfe, Ablaufrinnen) sind in Verkehrsbereichen bodenbündig abzudecken.
Meist werden entlang von Verkehrswegen Kabelbänke oder Lüftungskanäle verlegt. Bei Planung und Ausführung ist zur Vermeidung von Arbeitsunfällen besonders darauf zu  achten, dass diese Einrichtungen mit ihrenHalterungen und Konsolen nicht in den Gehbereich ragen und scharfe Kanten aufweisen.

Innerbetrieblicher Transport

In Bädern fehlen häufig ausreichend groß bemessene und günstig angeordnete Einbringöffnungen für den Material- und Gerätetransport in den Technikkeller. Bäderplaner sollten hier nicht nur den üblichen Materialtransport bedenken, sondern auch Arbeitsabläufe, die in der Technik durchaus nicht selten sind, z.B. der Austausch von defekten Umwälzpumpen. Der Transport solch schwerer Lasten kann nicht über Treppen erfolgen.

Wasserspeicher

Entfernen von schwebenden Feststoffen vom Beckenrand
Entfernen von schwebenden Feststoffen vom Beckenrand

Wasserspeicher (z.B. Behälter für Schwall- und Spülwasser) müssen zur Vermeidung von Feuchtigkeit und Ausdünstungen geschlossen sein. Die Behälter sollen nach DIN 19643, Teil 1 mindestens halbjährlich gereinigt und desinfiziert werden. Schwallwasserbehälter von Warmwasserbecken sind aufgrund des höheren Eintrages an Belastungsstoffen durch die Badegäste öfters zu reinigen. Infolge ungünstig positionierter und zu kleiner Öffnungen sind ein sicherer Zugang und Einstieg in die Behälter nicht möglich. Eine schnelle Rettung von Beschäftigten aus Behältern ist somit nicht gewährleistet.

Arbeitsunfälle können vermieden werden, wenn folgende baulichen Anforderungen erfüllt sind:

  • Einstiegsöffnungen möglichst im Wandbereich anordnen
  • Einstiegsöffnungen dürfen nicht verstellt und müssen gut zugänglich sein
  • Für das lichte Öffnungsmaß gilt die Regel: je größer, desto besser. Empfohlen wird eine lichtes Öffnungsmaß mit DN 800
  • Bauliche Einrichtungen zur Behälterbelüftung vorsehen
  • Die lichte Höhe im Behälter sollte zur Vermeidung von Zwangshaltungen und Kopfverletzungen 2,00 m nicht unterschreiten

Filterbehälter

Der erforderliche Freiraum für Wartungs- und Kontrollarbeiten um und über Filterbehältern ist abhängig von der Filterkonstruktion. Konkrete Angaben zu den erforderlichen  Freiräumen sind in Ziffer 6.5.2 der DIN  19643 „Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser“,  Teil 1 „Allgemeine Anforderungen“  enthalten. Über den Filterbehältern ist ein lichter Freiraum von mindestens 60 cm einzuhalten. Für ein sicheres Arbeiten an den oberen Mannlochöffnungen (z.B. Nachfüllen von Filtermaterial) sind ortsfeste Standpodeste mit Absturzsicherungen vorzusehen.

Hoch gelegene Glasflächen

Aus gestalterischen und optischen Gründen kommen im Bäderbau vermehrt Glasflächen und Glaswände zum Einsatz. Leider wird oft nicht daran gedacht, dass Glasfassaden innen wie außen regelmäßig zu reinigen und dafür bauliche Einrichtungen vorzusehen sind. Glasreinigungskonzepte sind häufig erst gar nicht vorhanden. Damit die erforderlichen Reinigungsarbeiten an den hoch gelegenen Glasflächen sicher durchgeführt werden können, müssen entsprechende bauliche Einrichtungen vorhanden sein, z. B. Reinigungsbalkone, Sicherungssysteme, befestigte Flächen mit ausreichender Tragkraft zur Aufstellung von Leitern, Gerüsten oder Hubarbeitsbühnen und deren Ausleger.

Beleuchtung und andere hoch gelegene technische Einrichtungen

Das nachträglich eingebaute Schallschutzsegel sorgt für eine Verringerung des vom Badebetrieb hervorgerufenen Schallpegels
Das nachträglich eingebaute Schallschutzsegel sorgt für eine Verringerung des vom Badebetrieb hervorgerufenen Schallpegels

Beleuchtungseinrichtungen, akustische Anlagen und Einrichtungen von Lüftungsanlagen werden häufig über den Schwimmbecken angeordnet und sind somit für Wartungs- und Reparaturarbeiten nicht oder nur erschwert zugänglich. Diese technischen Einrichtungen können bei guter Konzeption ohne Weiteres über Beckenumgängen und an Wänden installiert werden, so dass sie mit entsprechenden Arbeitsgeräten gut und sicher erreichbar sind.

Aufsichtsraum

Reinigungsgeräte für den Beckenboden müssen, wie auch andere elektrische Reinigungsmaschinen, regelmäßig durch eine befähigte Person geprüft werden
Reinigungsgeräte für den Beckenboden müssen regelmäßig durch eine befähigte Person geprüft werden

Aufsichtsräume sind in Bezug auf ihre ungünstige Lage und Ausstattung oft zu bemängeln. Hier befinden sich Bedienungs- und Kontrollelemente für die technischen Anlagen. Da hier Informationen und Störmeldungen auflaufen, wird sich das aufsichtführende Personal zeitweise in diesen Räumen aufhalten. Die Lage des Aufsichtsraumes ist daher so zu wählen, dass der Badebetrieb von hier aus überwacht werden kann. Aufsichtsräume müssen eine eigene, von der Schwimmhalle unabhängige Temperatur- und Lüftungsregelung haben. Abhängig vom Lärmpegel in der Schwimmhalle sind auch bauliche Lärmschutzmaßnahmen erforderlich.

Nachbesserungen sind ärgerlich und kostenintensiv. Zur Vermeidung der vorgenannten Beanstandungen können alle Beteiligten im Bäderbau (Architekten, Fachplaner, Bauherr) beitragen, wenn sie sich intensiv über die betrieblichen Abläufe und Erfordernisse in Bädern informieren und darüber austauschen.

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der BG der Gas-, Fernwärme- und Wasserwirtschaft aus „betrifft sicherheit“ Ausgabe 2/2007

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